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Der Dschungel und das, was er verbirgt...Posted on 24.03.2009 at 18:17
Das glaubt ihr nicht: Ich habe am Abend meiner Ankunft in Arambol einen Italienischen Ayurveda-Meditations-Reiki-Guru kennengelernt, der mir nicht nur ein Buch ueber Tao, einen wieder eingerenkten Ruecken und die Botschaften "I love myself" und "I am beautiful" mitgegeben hat. Er hat mir auch aufgemalt, wo ein Suesswasserlake ist, in dem man schoen schwimmen kann (das stimmt), und dass hinter diesem ein Dschungel beginnt, in dem ein Pfad zu einem Banyantree fuehrt. (Googelt mal Banyantreebilder, die Baeume sind der Wahnsinn.) Dort solle ich doch mal hinspazieren. Das hab ich gemacht. Ein kleines Stueck habe ich zusammen mit Renata und Sebastian zurueck gelegt. Renata ist 54, Kuenstlerin und kommt urspruenglich aus der czechischen Republik. Sie war das erste Mal in Indien, als ich zwei Jahre alt war. Seit einigen Jahren lebt sie in Anjuna, einem anderen Strandort in Goa und kuemmert sich zum Beispiel um die Bemalung kleiner Kapellen. Sebastian ist ihr 72-jaehriger Lover, urspruenglich aus Costa Rica und mittlerweile auch schon seit fast 20 Jahren Goaner. Ich habe mit Ihnen Weintrauben gegessen, und mir waehrend sie ihre zwei, drei Chillums geraucht haben erklaeren lassen, von welchen Drogen ich die Finger lassen sollte und welche ich stattdessen konsumieren soll, wenn ich open-minded werden moechte. Ich verliess Sie, weil Baba kam, der ebenfalls in Richtung Banyantree unterwegs war, und mir daher den Weg gut zeigen konnte. Wir liefen schweigend. Baba, ein relativ grosser Inder mit langem weissen Haar und Bart hatte einen grauen Sarong um die Huefte gebunden und trug eine kleine Sporttasche mit sich. Kurz vorm Banyantree verabschiedete er sich und wies mir den Weg. Ich erreichte eine Plattform, auf der, rings um ein Feuer, vier Maenner auf Bambusmatten sassen. Ein cholerischer bruellender, eher wie ein Affe als wie ein Mensch wirkender mit einem langen Fitz auf dem Kopf; ein israelischer Schoenling, der zuerst schwieg und recht friedlich wirkte (der Schein trog, denn stoere nie die Kreise eines Teetrinkenden); ein kleiner Muskelmann mit Glatze, der von mir wissen wollte, welchen Tag wir haetten, um sein Mayahoroskop zu lesen; sowie ein schwarzer Kenianer, der wohl bemueht war, den Eindruck, welchen ich von dieser Szenerie hatte zu veraendern, in dem er mir Tee, Kekse und seinen Namen anbot. Puh... Ich habe gelernt, dass man nicht das Feuer bewegt, sondern seinen Koerper, wenn es unbequem ist (den man bewegt ja auch nicht die Sonne, wenn es zu heiss wird, sondern seinen Koerper in Richtung Schatten). Ansonsten... dass ich ein blauer, resonanter Adler bin wusste ich ja schon - aber mit dem dazugehoerigen Mantra habe ich mir auf jeden Fall Respekt verschafft ("I channell in order to create. Inspiring mind. I seal the output of vision. With the resonant tune of attunement. I am guided bt the power of accomplishment.") Irgendwie hatte ich das Beduerfniss, meinem Weg fortzusetzen. Also lehnte ich auch die mir an diesem Ort angebotene Chillum ab und begab mich auf den Rueckweg. Wenige Baeume weiter sass Baba neben einem kleinen Feuer auf einer Bambusmatte und ass seinen Curryreis. Es winkte mich zu sich, bot mir einen Platz ihm gegenueber an und reichte mir eine Schuessel des noch dampfenden Reises. Aus einer Wasserflasche schnitt er mir einenLoeffel zurecht und wir assend schweigend und laechelnd. Dann wollte er wissen, ob ich Cafe mochte. Er wusch den Topf und die Schuesseln zunaechst im Fluss und spuelte sie dann fuersorglich mit Mineralwasser. Er suchte neue Zweige fuer das Feuer, setzte Wasser auf. Und ich beobachetete wie es zu kochen begann, wie er Kaffee- und Milchpulver zufuegte. Und wir unterhielten uns ueber sein Leben, die "broken-minded"-people, die nur wenige Meter entfernt unterm Banyantree rauchten und auch ein wenig ueber mein Leben in Deutschland. Als ich auch mit ihm keine Chillum rauchen wollte, bot er mir stattdessen einen Landliebe Schokobonbon an, den ich zu meinem Kaffee genoss. Dann verabschiedete ich mich und er nickte mir mit den Worten "God bless you" zu. Lieber Till, aus diesem Grund sitze ich so lange im Internet. Ich brauche eine Auszeit von den vielen "Dingens", die so in Indien auf mich einstroemen. Und ich muss schreiben, manchmal, weil es beim Verarbeiten hilft und in diesem Fall wohl eher, weil ich es mir sonst spaeter nicht mehr glaube... |
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